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HISTORISCHES ORGELKONZERT

Sa, 02.02.2013, 18:00 Uhr

Albert Schweitzer in St. Katharinen
am 28. Oktober 1928

Prof. Martin Lücker (Frankfurt am Main), Orgel

In diesem Historischen Orgelkonzert spielt Martin Lücker das Programm des Konzertes nach, das Albert Schweitzer am 28. Oktober 1928 in der Evang. St. Katharinenkirche in Frankfurt am Main gab. Ab den 20er Jahren hatten ausgedehnte Konzertreisen Schweitzer in viele europäische Städte geführt ; für drei von seinen insgesamt sieben Frankfurter Konzerten kam er in die St. Katharinenkirche: am 28. Oktober und 1. November 1928, dann noch einmal am 19. April 1932. In Scharen lauschten die Menschen seinem Spiel, denn sie erwarteten nicht allein einen hervorragenden Orgelspieler zu hören, sondern wollten auch den Mann erleben können, der als Urwald-Doktor zum Symbol gelebter Nächstenliebe geworden war. Zwar wollte Schweitzer mit seinen Konzerten zunächst einmal Geld für sein Spital in Lambarene einspielen, doch über den guten Zweck hinaus verstand er sein Konzertieren als künstlerische Mission an ein breites Publikum, wie der Aufbau seines Konzertprogramms zeigt. Mit Bachs wohl berühmtestem Orgelwerk, der Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, eröffnet Schweitzer den Abend. Dann folgen vier Choralbearbeitungen, mit denen er sozusagen ein kleines Leben Jesu vorstellt  Advent, Weihnachten, Passion, Abendmahl. (Mit seiner Geschichte der Leben-Jesu-Forschung hatte Schweitzer bald nach der Jahrhundertwende ein wichtigen Beitrag zu einer zentralen Disziplin der evangelischen Theologie geleistet.) Stets bat Schweitzer einen ortsansässigen Chor, zu den erklingenden Choralvorspielen die passenden Bachschen Choralsätze zu singen, damit deutlich wird, wie nah am Text Bach komponiert. Doch warum platziert Schweitzer zwischen die Choralvorspiele die Fuge A-Dur BWV 536 ? Ein Blick in Schweitzers Bach-Biographie lehrt : Das Thema dieser Fuge leitet sich ab aus der Kantate BWV 152 Tritt auf die Glaubensbahn ! Mit Präludium und Fuge h-moll BWV 544 setzt Schweitzer den Höhepunkt der Bach-Gruppe, aber für den Schluss des Konzertes wählt er die 6. Orgelsonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Vater unser im Himmelreich) und endet nicht mit triumphaler virtuoser Geste, sondern ganz verinnerlicht. Das einzigartige Erlebnis, das Schweitzers Konzerte seinerzeit bedeutet haben müssen, lässt sich nicht rekonstruieren, aber durch das Nachspielen dieses Historischen Orgelkonzertes soll ein Mensch geehrt werden, der Musik, Theologie und Humanität auf beispielhafte Weise verbinden durfte.

Lücker, Martin © Lücker, MartinMartin Lücker gehört zu den profiliertesten Organisten unserer Zeit. Die Ausbildung u. a. in Wien durch Anton Heiller legte den Grundstein für eine umfassende Karriere als Konzertorganist, Juror, Lehrer bei Meisterkursen und Herausgeber. Zahlreiche Tonaufnahmen, darunter Das spekulative Spätwerk und Eine Weimarer Tonleiter (Edition Bach-Akademie, Hänssler- Verlag). Seine wöchentliche Konzertreihe 30 Minuten Orgelmusik in Frankfurt lässt in geistreich konzipierten Programmen sein umfassendes Repertoire kennenlernen. Orgelkonzerte in vielen europäischen Ländern und Nordamerika, an großen Saalorgeln – etwa im Gewandhaus Leipzig, in den Konzerthäusern Dortmund, Essen und Köln –, an Kirchenorgeln im Dom zu Merseburg und St. Sulpice in Paris. Konzerte mit dem NDR-Sinfonieorchester, dem Kölner Gürzenichorchester, dem Orchester der Tonhalle Düsseldorf, dem Frankfurter Museumsorchester, der Jungen Deutschen Philharmonie und dem Ensemble Modern. Orgelprofessur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Martin Lücker ist Organist an St. Katharinen in Frankfurt am Main. 

Rubrik
Musik / Konzerte

Veranstaltungsort
St. Johanniskirche, Halle (Westf.)
Veranstalter
Stadt Halle (Westf.) und St. Johanniskantorei
Kontaktdaten
Telefon: 05201 183164
Homepage: www.haller-bach-tage.de
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