Klassikfestival vom 5.-14.2.2010
Samstag, 04.Februar 2006
St. Johanniskirche, Halle
Ein musikalischer Vortrag mit Prof. Andor Izsák, Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik der Hochschule für Musik und Theater Hannover
Der Talmud berichtet von der Magrepha, einem Instrument im Tempel zu Jerusalem, dessen Klang bis nach Jericho zu hören war. Spätere Kommentatoren verstanden die Magrepha als eine frühe Form der Orgel.
Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.d.Z. findet sich kein Hinweis mehr auf die Verwendung der Orgel in der jüdischen Liturgie.
Erst mit der Reformbewegung im 19. Jahrhundert kehrt sie in die Synagoge zurück: Der herzogliche Kammeragent Israel Jacobsohn stattet im Jahr 1810 seine Synagoge in Seesen im Harz mit einer Orgel aus.
Nun tritt die "Königin der Instrumente" einen Siegeszug in den jüdischen Gemeinden an. Vielerorts verbindet sich der traditionelle Sologesang des jüdischen Kantors mit Chorgesang und Orgelbegleitung. Doch die Verwendung der Orgel bleibt nicht unumstritten; für manche ist sie ein zu "christliches" Instrument. Der "Orgelstreit" führt zu zahlreichen Diskussionen; in den Noten synagogaler Musik findet sich häufig der Hinweis: "mit oder ohne Orgelbegleitung".
Der musikalische Vortrag führt durch die Entwicklung der jüdisch-liturgischen Musik im 19. Jahrhundert und stellt die Orgel auch als eine Brücke zwischen christlicher und jüdischer Musik vor
Ausführende:
Andor Izsák, Orgel
geb. 1944 in Budapest, studierte an der Franz-Liszt- Musikhochschule. Bereits zu Studienzeiten war er Organist an der Budapester Dohány-Synagoge, der größten Synagoge Europas. Gründete im Jahr 1962 mit dem Kantor Marcel Lorand den Lewandowski-Chor, das erste Ensemble, das nach dem Holocaust wieder synagogale Musik zu Gehör brachte. Heute ist er Professor für Synagogale Musik an der hannoverschen Musikhochschule.
